Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten auf den Vestmann-Inseln. Tagesausflug zu den Westmännerinseln, Vestmannaeyjar.

Die aus insgesamt 14 Inseln bestehenden Westmännerinseln liegen vor der Südküste Islands. Im Jahr 1965 entstand nach einem untermeerischen Vulkanausbruch die Insel Surtsey. Seit einigen Jahren gibt es eine schnelle Fährverbindung zwischen Landeyjar und Heimaey. Sie ermöglicht Tagesausflüge von Reykjavík aus.

 

Die Westmänner-Inseln – Feuer und Fisch

Die Inselgruppe geriet 1973 erneut in die Schlagzeilen, als wegen des Ausbruchs des Vulkans Eldfell die Bevölkerung evakuiert werden musste. Auf der seit diesem Vulkanausbruch knapp 14 km² großen Hauptinsel Heimaey leben heute etwas mehr als 4000 Menschen. Die übrigen Inseln des Archipels sind unbewohnt. Sie heißen Surtsey (1,9 km²), Elliðaey (0,45 km²), Bjarnarey (0,32 km²), Álsey (0,25 km²), Suðurey (0,20 km²), Brandur (0,1 km²), Hellisey (0,1 km²), Súlnasker (0,03 km²), Geldungur (0,02 km²) und Geirfuglasker (0,02 km²). Hinzu kommen noch die drei kleinen Eilande Hani, Hæna und Hrauney, die zusammen auch als Smáeyjar bezeichnet werden.

 

Surtsey, ganz im Süden der Inselgruppe gelegen, ist ein „Totalreservat“. Landgänge sind hier nur in Ausnahmefällen gestattet. Obwohl die Inselgruppe noch in Sichtweite der isländischen Südküste liegt, sind die Temperaturen häufig ein wenig höher als dort. Die Niederschlagsrate ist hingegen nicht signifikant unterschiedlich.

Die Westmänner-Inseln (isländisch: Vestmannaeyjar) waren schon sehr früh besiedelt. Überliefert ist ein Überfall algerischer Piraten im 17. Jahrhundert, bei dem zahlreiche Inselbewohner getötet wurden. Die geschützte natürliche Hafenbucht auf Heimaey führte dazu, dass sich dieser Ort zu einem der Zentren der isländischen Fischereiindustrie entwickelte. Hier ist auch heute noch der wichtigste Fischereihafen Islands mit der bedeutendsten Fischverarbeitungsindustrie des Landes. Allerdings findet die Verarbeitung des Fangs heute in der Regel bereits direkt auf hoher See auf modernen Fabrikschiffen statt. Wie in anderen Gebieten Islands gewinnt der Tourismus auf den Westmänner-Inseln zunehmend an Bedeutung. Auch die Isländer selbst verbringen hier gerne ihre Freizeit, wie die zahlreichen Ferienhäuser belegen. Höhepunkt des Sommers ist das alljährliche größte Open-Air-Festival Islands auf Heimaey Anfang August (Þjóðhátíð), bei dem bis zu 80.000 Besucher auf die Insel kommen.

 

Geologische Situation der Westmänner-Inseln

Die Westmänner-Inseln sind Teil des Nordatlantischen Rückens, an dem die Nordamerikanische und die Eurasische Platte um jährlich bis zu 2 Zentimeter auseinander geschoben werden. Geologisch gesehen ist der Archipel mit einem Alter von nur 10.000–12.000 Jahren sehr jung. Etwa 80 Ausbruchstellen sind bekannt und die Tiefe der Magmakammer wird auf 10–30 km geschätzt. Der heutige Archipel hat sich während vier Hauptausbruchsphasen vor 10.000–12.000 Jahren, 6000 Jahren (Helgafell) und 5000 Jahren gebildet. Im Jahr 1965 entstand die Insel Surtsey. Der bislang letzte Vulkanausbruch ereignete sich 1973. Hier kam es zur Entstehung des Schlacken- und Aschenvulkans Eldfell und zu einer beträchtlichen Vergrößerung der Insel Heimaey . Im Jahr 2010 erfolgte auf dem isländischen Festland, unweit der Südküste, der Ausbruch des Eyjafjallajökull, der den gesamten Luftverkehr auf der Nordhalbkugel beeinträchtigte. Ob es sich tatsächlich um eine dauerhafte Verlagerung der Ausbrüche nach Norden handelt, wird die Zukunft zeigen.

 

Surtsey – die Geburt einer Insel

Am 14. November 1963 entdeckten Fischer etwa 20 km südwestlich von Heimaey die aus dem Meer aufsteigende Rauchsäule eines Vulkanausbruchs. Wenige Tage später konnte man die bis zu 12 km hohe Eruptionssäule bereits im knapp 120 km entfernten Reykjavík sehen. Im Laufe der nächsten dreieinhalb Jahre entstand so die nach dem Feuerriesen Surtur (isländische Sagengestalt) benannte Insel Surtsey. Sie erreichte eine Höhe von 188 m und eine Fläche von rund 2,5 km² und besteht hauptsächlich aus olivinreichem Basalt. Auf Surtsey bildeten sich zwei Kegel (Vesturbunki und Austurbunki); ferner waren phreatomagmatische – durch Kontakt mit Meerwasser ausgelöste – Explosionen zu verzeichnen. Die beträchtliche effusive Tätigkeit im Anschluss trug wesentlich dazu bei, dass die Insel im rauen Nordatlantik heute überhaupt noch besteht. Surtsey bietet die einmalige Gelegenheit, die natürliche Besiedlung einer Insel durch Pflanzen und Tiere zu beobachten. Aus diesem Grund ist der Zutritt zur Insel streng reglementiert und ausschließlich Wissenschaftlern für kurzzeitige Aufenthalte gestattet. So soll verhindert werden, dass durch Besucher Samen und Sporen eingeschleppt werden. Im Sommer 1965 wurden mit Strandhafer und Meersenf die ersten Pflanzen angetroffen. Bis heute wurden auf Surtsey rund 50 Pflanzenarten registriert, alleine im Jahr 1996 wurden fünf neu eingewanderte Pflanzenarten entdeckt. 1986 wurde ein erstes Gelege von Heringsmöwen entdeckt. Inzwischen brüten sieben verschiedene Arten von Seevögeln regelmäßig auf Surtsey. Der Kampf zwischen Feuer und Wasser war auf Surtsey mit dem Ende des Ausbruchs im Jahr 1967 noch nicht beendet – das Meer nagt beständig an der erkalteten Lava und hat inzwischen 15% der ursprünglichen Inselfläche wieder abgetragen. Andere Inseln, die ebenfalls in den 1960er Jahren neu entstanden waren, wurden bereits nach kurzer Zeit vollständig abgetragen. Seit 2008 steht Surtsey auf der Welterbeliste der UNESCO.

 

Das Katastrophenjahr 1973

Im Jahr 1973 erlebten die damals etwa 500 Einwohner von Vestmannaeyjar auf der Insel Heimaey, wie gefährlich das Leben auf dem auseinanderdriftenden Mittelatlantischen Rücken sein kann. In der Nacht vom 22. auf den 23. Januar öffnete sich an der Ostseite der Insel Heimaey eine 1,5 Kilometer lange Vulkanspalte. Sie verlief am Fuß des 227 m hohen Vulkans Helgafell, welcher seit seinem letzten Ausbruch vor 6.000 Jahren als erloschen galt. Glück im Unglück, denn der Heimaey-Ausbruch geschah an der einzigen Stelle auf der Insel, an der nicht sofort die Siedlung, der Hafen oder der Flugplatz zerstört wurde. In einer Rettungsaktion konnten die Inselbewohner dank der rund 100 Kutter starken Fischereiflotte binnen weniger Stunden in Sicherheit gebracht werden wiederum ein Glücksfall, denn aufgrund schlechten Wetters ankerte nahezu die komplette Fischereiflotte im Hafen. Nur etwa 100 Männer blieben zurück, um Autos, Haustiere und Fischereiprodukte zu bergen und um die lebenswichtigen Versorgungseinrichtungen für eine eventuelle Rückkehr der Flüchtlinge auf Heimaey zu sichern. Insgesamt war nur ein einziges Todesopfer zu beklagen, als ein Mann ohne Schutzmaske einen Kellerraum betrat, in dem es zu einer Ansammlung giftiger Gase gekommen war.

Da sich der Lavastrom auf die ohnehin enge Hafenfahrt zuwälzte, befürchtete man zu Recht eine Blockade des für die isländische Fischerei wichtigen Hafens. Mehrere Millionen Liter Meerwasser wurden mithilfe von Spezialpumpen, die teilweise erst vom damaligen amerikanischen  Militärstützpunkt in Keflavík herangeschafft werden mussten, auf den Lavastrom gepumpt. Tatsächlich konnte so der Lavastrom gestoppt werden. Heute bietet die stark verengte Hafeneinfahrt einen zusätzlichen Schutz vor Stürmen. Anfangs bestand die Hoffnung, dass die Lavamassen von der Stadt weg nach Osten ins Meer strömen würden – dadurch hatte sich die Insel nach wenigen Tagen bereits um einen Quadratkilometer vergrößert. Doch ein erneuter Ausbruch unmittelbar am Ostrand der Stadt führte zur Bildung des Eldfells. Dieser wuchs in wenigen Tagen auf fast 150 m Höhe an und schleuderte tonnenschwere Lavabrocken bis zu 200 Meter hoch in die Luft. Durch den sich drehenden Wind wurde die Asche nicht mehr in den Atlantik hinaus geblasen, sondern begrub mehrere hundert Häuser unter bis zu 16 Meter mächtiger Asche und anderen pyroklas- tischen Ablagerungen. Die Lava des Eldfell-Ausbruchs bedeckt ca. 3,3 km² und vergrößerte damit die Insel beträchtlich.

 

Nutzung der warmen Lava zum Beheizen von Häusern

Ein innovatives und weltweit beachtetes Projekt wurde schon im Juli 1973 gestartet, als die ersten Einwohner auf die Insel zurückkehren konnten. Heißer Dampf wurde in Rohren zur Heizung eines Hauses verwendet. Bis 1976 wurden 20 Wohnhäuser, das Krankenhaus und eine Bank an das Ringheizsystem angeschlossen. 1978 wurden knapp 90% aller Häuser von Heimaey geothermisch beheizt. Allerdings kam 1988 das Ende, denn die Lava war mittlerweile so weit abgekühlt, dass ein wirtschaftliches Weiterführen des geothermalen Heizbetriebs nicht mehr möglich war.

 

Das neue Vulkanmuseum Eldheimar

Am Südrand des Hauptorts Heimaey wurde nach umfangreichen Vorarbeiten ein neues Museum eingeweiht, das „Pompeji of the North“. Hierzu wurde mit Einverständnis des vorherigen Eigentümers das unter der Asche begrabene Haus in der Gerðisbraut 10 freigelegt. Mittels Kameras und vom Obergeschoß des Museums aus kann man sich die Räumlichkeiten ansehen und erhält dazu von den Hausbewohnern die Geschichte des Ausbruchs erzählt. Im Obergeschoss befindet sich eine Ausstellung über die Insel Surtsey.

 

Geologische Wanderung auf den Eldfell

Die nachfolgend beschriebene Wegstrecke führt vom Hafen auf den Eldfell, in das Eldheimar Museum und wieder zurück. Die Gesamtstrecke ist etwas über 7 km lang, hat einen Höhenunterschied von 200 m und ist in ca. 4 Stunden zu bewältigen, sodass auch bei einem Tagesausflug noch genügend Zeit für das Museum „Pompeji of the North" und einen Rundgang durch das Städtchen bleibt. Für die Besteigung des Eldfells ist unbe- dingt festes Schuhwerk erforderlich. Stöcke verhindern vor allem beim Abstieg das Abrutschen. In jedem Fall sollte man auf Windböen gefasst sein – insbesondere oben auf dem schmalen Grat.

Am Hafen hat man einen schönen  Blick  auf den 283 m hohen Heimaklettur, an dessen steilen Flanken bisweilen Schafe grasen. Der „Hausberg“ – so die Übersetzung – ist die höchste Erhebung von Heimaey und des gesamten Archipels und besteht aus Palagonittuff. Darunter versteht man einen gelblichen bis braunen Tuff, der auf Island weit verbreitet ist. Palagonittuff entsteht dort durch Umwandlung basaltischer Gläser infolge von Wasseraufnahme beim Eindringen in Eismassen. Vom Hafenvorplatz aus führt die Route über Tangagata/Ægisgata an einer Sitzgruppe und einem kleinen Fischbecken vorbei. Rasch gelangt man zu den ehemaligen Fischfabriken in den Kirkjuvegur. Hier befindet sich ein Trep- penaufgang. Oben an der Treppe angekommen, führt der Rundweg nach links. Wir stehen nun auf dem Lavastrom von 1973. Einige Gedenktafeln erinnern an die hier unter der Lava begrabenen Häuser und Straßenzüge. Im weiteren Verlauf durch den „Häuserfriedhof“ hat man einen Blick auf die verengte Hafeneinfahrt Unten an der Hafenzufahrt befinden sich auch die Treibstofflager und eine Stabkirche. Letztere wurde im Jahr 2000 zum 1000 jährigen Jubiläum des Christentums auf der Insel errichtet und ist ein Geschenk des norwegischen Königs. Es handelt sich um einen Nachbau der Kirche von Haltdalen in Norwegen.

 

Zwischen der sich ausbreitenden Vegetation trifft man allenthalben auf Zeugnisse des Ausbruchs in Form von Stricklava oder Bomben. Es gibt eine Reihe unmarkierter Wege auf den Eldfell, die immer wieder abgesperrt werden, um die Vegetation nicht zu beeinträchtigen. Wer es bequemer möchte, kann auch den asphaltierten Eldfellsvegur nehmen; diese Variante ist etwas länger. Alle Wege treffen schließlich auf die Asphaltstraße. Nach kurzer Strecke kommt die Einfahrt zur Müllkippe und wenig später ein Parkplatz. Von hier bietet sich ein Panoramablick auf den Nordteil von Heimaey. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite beginnt der durch eine Informationstafel gekennzeichnete Aufstieg. Nach etwa einer Viertelstunde steht man am Kraterrand des Eldfells. Der Blick reicht vom Atlantik mit weiteren Inseln des Archipels bis zum Gipfelgrat des Eldfells (200 m), den Helgafell (227 m) und auf die Inselhauptstadt Heimaey. Im weiteren Verlauf bleibt der Weg auf dem Grat und führt zum Gipfel. Der Ausblick vom Eldfell ist bei guter Sicht spektakulär und reicht an klaren Tagen bis zum Eyjafjallajökull (1651 m) an der Südküste von Island. Der Helgafell versperrt die Aussicht auf den Südteil von Heimaey. Auch die aufsteigenden Dämpfe, die schwefelhaltigen Ablagerungen und bizarr geformten Schlacken und Bimssteine sind eine beeindruckende Belohnung für den Aufstieg. So muss es in der Küche des Teufels zugehen! Eigene Messungen im Sommer 2017 ergaben an manchen Stellen noch Temperaturen von über 90°C für die austretenden Dämpfe.

Wer noch etwas Zeit hat, sollte sich an den gut sichtbaren Rand des Lavastroms begeben. Hier sind noch weitere, teilweise vom Lavastrom erfasste Häuser zu sehen. Informationstafeln informieren über das Schicksal der dort lebenden Familien .

Auf dem Weg zum Hafen lohnt sich der Umweg zum kleinen Aquarium und Naturkundemuseum (Saeheimar) in der Heiðarvegur. Das Museum wurde 1964 eröffnet und ist das älteste seiner Art in ganz Island. Die angeschlossene Vogelstation kümmert sich um geschwächte oder verletzte Seevögel. Meist ist es möglich, einen Blick auf die kleinen Patienten zu werfen. Einige Vögel, wie der Papageientaucher Tóti, verzichteten auf eine Auswilderung und leben dauerhaft in der Station.

 

Anfahrt und Besuchertipps

Von Reykjavík und anderen Flugplätzen an der Südküste von Island gibt es Flugverbindungen nach Heimaey. Die meisten Besucher kommen jedoch mit der Fähre. Seit einigen Jahren ist ab Landeyjahöfn an der Südküste von Island eine Fährverbindung eingerichtet. Für die knapp 10 Kilometer benötigt das Schiff etwa 35 Minuten. Durch eine Anbindung an den Linienbus sind damit auch Tagesausflüge ab Reykjavík möglich. Allerdings ist es ratsam, in den Monaten Juni–August frühzeitig zu buchen. Dasselbe gilt für die Unterkunft, sofern man die Insel an mehr als einem Tag erkunden will. Wer eine organisierte Exkursion buchen möchte, sollte diese ebenfalls vorab im Inte net reservieren. Für seefeste Vogelfreunde ist die Inselrundfahrt mit Sicht auf zahlreiche  Vogelfelsen  mit Papgeientauchern empfehlenswert.

Die „Eldfeltour” thematisiert den Vulkanausbruch von 1973. Die wichtigsten geologischen Besonderheiten sind bei einem Tagesausflug vom Hafen aus zu Fuß problemlos zu bewältigen.

 

 

Nils Gies, Jg. 1994, studiert als passionierter Geländegeologe Geowissenschaften an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg i. Br. und ist in seiner Freizeit begeisterter Segelflieger, Motorradfahrer und schnürt auch gerne die Wanderschuhe.

 

 

 

Dr. Matthias Geyer, Jg. 1959, ist als selbständiger Fachübersetzer und Geologe im Bereich Geotourismus tätig. Seit mehreren Jahren ist er Lehrbeauftragter an der Universität Freiburg und an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg Heidelberg.